Destroyline, sprühlack auf Beton, 2007

Das new york ende der sechziger Jahre erfahren viele Jugendliche als eine Welt der Vorurteile, des rassismus und der rücksichtslosigkeit. Die Großstadt mit ihrem rauhen alltag verlangt nach Durchsetzungsvermögen und einer starken identität und birgt durch dieses Verlangen großes kreatives potential in sich. new york wird zur Wiege des Graffiti. Die tags und die großflächigen, schrill bunten text- und Zahlenkombinationen geben den Jugendlichen plötzlich die Möglichkeit sich auszudrücken. Die Öffentlichkeit mit eigenen Zeichen zu konfrontieren beweist stärke und Macht. es bedeutet gesehen zu werden. aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Dominanz, individualität und kampfgeist sind gefragt, wenn man sich von der großen konkurrenz durch andere sprayer abheben will.

auch der 1973 geborene heiko Zahlmann ist Graffiti künstler. Mit auffälligen, bunten Wandbemalungen, die das Bild ganzer stadtteile in hamburg prägen wurde der künstler bekannt. Dies bezeichnete den anfang einer entwicklung, die der künstler während seiner 20 Jahre langen auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des Graffiti durchschritt.

2001 gestaltete heiko Zahlmann die mehrere tausend Quadratmeter umfassende fläche der Docks von Blohm & Voss im hamburger hafen mit eindrucksvoll großen, farbenfrohen pieces. Mit dem höchsten Graffiti der Welt errang der künstler sogar einen eintrag ins Guiness Buch der rekorde. Das Besondere dieser Werke, das im öffentlichen raum eine so große Wirkung entfaltet, in einen ausstellungsraum zu bringen verlangt viel von einem künstler. Denn nur allzu schnell geht die ursprüngliche anziehungskraft des Graffiti dort verloren heiko Zahlmanns „destroyline“ scheint weit entfernt von seinen Vorgängern. Die farbliche Vielfalt der auffälligen Wandbilder wurde auf ein einfaches schwarz reduziert. Die Buchstaben- und Zahlenkombinationen sind gewichen. übrig bleibt nur noch der Beton als arbeitsmaterial und die mit einer einzigen handbewegung gesprühte linie. in seinem Minimalismus geht der künstler keine kompromisse ein.

Das Werk Zahlmanns ist für den geschlossenen ausstellungsraum geschaffen und doch ist der kreative hintergrund des künstlers nie zu übersehen. Das Werk ist urkunde Zahlmanns künstlerischer Wurzeln. Gleichzeitig entfaltet es in seiner neuen reduziertheit eindrucksvolle stärke. Der Betrachter sieht nur eine einzige linie – die Destroyline.

eine linie, die auf der straße in Verachtung die pieces anderer künstler zerstört und gereinigte flächen radikal zurückerobert. heiko Zahlmann hätte sich in seinem kompromisslosen Minimalismus kaum konsequenter ausdrücken können. auch im geschlossenen raum lässt er erahnen wie viel stärke und Vehemenz in der platzierung einer einzigen linie steckt. Mit nur einer linie eröffnet der künstler dem Betrachter ein ganzes spektrum genau der Besonderheiten, die seit der entstehung des Graffiti untrennbar mit diesem verbunden sind.

Caro Oetzel